Inputreferat Russell Pine „Spielen, Emotionsregulierung und psychische Gesundheit“
| 18.05.2026 | Teilen:
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Der Vortrag von Dr. Russell Pine an der Delegiertenversammlung beleuchtet die enge Verbindung zwischen Spielen, Emotionsregulation und psychischer Gesundheit und zeigt auf, wie stark spielerische Ansätze die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen unterstützen können.
Zu Beginn wird betont, dass Spielen weit mehr ist als ein Zeitvertreib. Es ist ein grundlegender Bestandteil kindlicher Entwicklung und ein zentraler Zugang zur Welt. Im Spiel lernen Kinder soziale Regeln, erproben neue Rollen, entwickeln Problemlösungsstrategien und bauen Beziehungen auf. Gleichzeitig ermöglicht Spielen einen natürlichen Umgang mit Emotionen wie Freude, Frustration, Unsicherheit oder Enttäuschung. Forschungsergebnisse zeigen zudem, dass regelmässiges Spielen Stresshormone reduzieren kann und damit direkt zur emotionalen Entlastung beiträgt.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Emotionsregulation, also die Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und angemessen damit umzugehen. Diese Kompetenz umfasst zum Beispiel das Erkennen von Wut oder Traurigkeit, das bewusste Beruhigen in belastenden Situationen sowie das Finden konstruktiver Lösungen. Studien belegen, dass Kinder mit gut entwickelter Emotionsregulation weniger Verhaltensprobleme zeigen, sozial kompetenter sind und sich im schulischen Umfeld wohler fühlen.
Besonders spannend ist die Verbindung von Spiel und Emotionsregulation: Im Spiel erleben Kinder Emotionen in einem geschützten Rahmen und können neue Verhaltens-weisen ohne Angst vor Bewertung ausprobieren. Dadurch entsteht ein sicherer Raum, in dem sie ihre Gefühle ausdrücken und reflektieren können. Dies fördert nicht nur die emotionale Sprache, sondern auch Selbstwahrnehmung, Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen.
Ein Praxisbeispiel zeigt, wie Brettspiele gezielt genutzt werden können, um Gespräche über Gefühle anzuregen.
Durch spielerische Impulse – etwa Fragen zu Mut, Einsamkeit oder positiven Erlebnissen – gelingt es, auch zurückhaltende Kinder zum Sprechen zu bringen. Das Spiel reduziert den Druck, schafft Leichtigkeit und eröffnet gleichzeitig wichtige Gesprächsräume. Kinder fühlen sich eher sicher und beginnen, über persönliche Erfahrungen und Emotionen zu sprechen.
Darüber hinaus werden Ergebnisse einer internationalen Studie mit über 3’700 Teilnehmenden vorgestellt. Diese zeigen, dass viele Kinder und Jugendliche grundsätzlich offen für spielerische oder digitale Angebote zur Förderung der psychischen Gesundheit sind. Besonders jüngere Kinder, männliche Jugendliche sowie emotional belastete Kinder zeigen eine hohe Bereitschaft, solche Angebote zu nutzen. Auffällig ist zudem, dass fast die Hälfte der Befragten angibt, es falle ihnen im Spiel leichter, über Gefühle zu sprechen als in klassischen Gesprächssituationen.
Die Studie macht deutlich, dass spielerische Ansätze eine wichtige Ergänzung zu traditionellen Methoden darstellen. Sie senken Hemmschwellen, schaffen Zugänge für zurückhaltende Kinder und ermöglichen neue Formen der emotionalen Verarbeitung.
Fazit: Spielen ist ein wirkungsvolles Instrument zur Förderung der psychischen Gesundheit. Es unterstützt die Emotionsregulation, stärkt soziale und emotionale Kompetenzen und bietet insbesondere für Kinder und Jugendliche einen niederschwelligen Zugang zu schwierigen Themen. In Kombination mit Forschung und Praxis zeigt sich, dass spielerische Ansätze ein grosses Potenzial haben, Kinder nachhaltig zu stärken und ihre psychische Widerstandskraft zu fördern.
18. Mai 2026